Contra

Dieser Vertrag gilt nur für Kollegen, die hauptsächlich in der Patientenversorgung tätig sind. Das heißt, wer in der Laborrotation ist und sich hauptsächlich mit der Forschung befaßt, was an Unikliniken ja nicht so selten ist, wird vom Vertrag nicht erfaßt. In unserer zugegebenermaßen sehr forschungslastigen Abteilung fallen somit 14 von 43 Assistenten hinten runter!

Wie soll das in Zukunft ablaufen? Wenn man auf Station ist, gilt der MB-Vertrag, wenn man dann ins Labor geht, nicht mehr?! Welcher Vertrag gilt dann überhaupt? Und wird die Zeit im Labor überhaupt anerkannt, wenn es um die Eingruppierung nach MB-Vertrag geht, oder zählen dafür nur Dienstjahre auf Station? Dann würden nicht wenige eine vernünftige Bezahlung erst nach vielen Jahren erreichen...

Die Kollegen der Landeskrankenhäuser wurden verkauft, die Ost-Kollegen in die Pfanne gehauen, und das, obwohl sie mit uns allen solidarisch mitgestreikt haben. Wer diesem Vertrag bei der Urabstimmung zustimmt, fällt all diesen Kollegen in den Rücken!

Der ZuSi wurde beim Verdi-Vertrag noch verteufelt, jetzt hat man ihn selber geschluckt. Nahezu alle Regelungen zur "Verbesserung der Arbeitsbedingungen" sind Soll-Bestimmungen, also in keiner Weise bindend für die Kliniken und somit das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen.

Im Vergleich zu BAT IIa 38,5h/Woche soll man 9% mehr arbeiten, bekommt aber nur 8% mehr Lohn - wo bitte sind die 30% geblieben, die man initial gefordert hat?! Auf einmal bezieht der MB sich nicht mehr auf den alten BAT, wenn es darum geht, diesen Vertrag als Erfolg zu verkaufen, sondern auf die aktuelle Lage. Montgomery sagte selber: Ärzte können auch rechnen! Warum versucht er nun, uns für dumm zu verkaufen?!

Warum hat man so gegen den Verdi-Vertrag geschossen, wenn man nun den gleichen Mist "in grün" annimmt? Wenn Montgomery und Möllring keine vernünftige Lösung finden könne, warum läßt man nicht einmal die Herren Ehl und Rieger in den Ring steigen?

Mein Fazit ist: Es werden zu viele Kollegen einfach geopfert, die vom Vertrag nicht erfaßt werden, nur um einen arztspezifischen Vertrag zu bekommen, wie schlecht er auch sein mag. Die Kollegen aus dem Osten und von den LKHs werden in der Urabstimmung vermutlich mit Nein stimmen, und dem werden sich wohl nicht wenige Kollegen im Westen anschließen, insbesondere diejenigen, die begreifen, daß sie nicht vom Vertrag erfaßt werden, da primär in der Forschung tätig und nicht primär in der Patientenversorgung.

Mit so einem Vertrag gefährdet man die Existenz des MB und verspielt die große Chance, die die enorme Solidarität unter den Kollegen aller Fachrichtungen bringt! Wenn dieser Vertrag durchkommt, kann man sich ausrechnen, wieviele Kollegen dem MB den Rücken kehren werden - dann gibt es keine einheitliche Vertretung der Klinikärzte mehr, und wie sind genauso Freiwild wie früher. Will Montgomery dieses Risiko für so ein Machwerk wirklich eingehen?

 

 

PRO

Liebe Kollegen,
hier und über andere Verteiler lese ich seit Freitagnachmittag AUSSCHLIESSLICH Meldungen, bei denen man meinen könnte, Herr Möllring selbst hätte sie diktiert. Ich will nun auch mal ein paar (persönliche) Anmerkungen zum Tarifabschluss des MB machen.

Als erstes muss man doch mal festhalten, daß sich der Marburger Bund als eigenständige Vertretung der angestellten Ärztinnen und Ärzte positioniert und durchgesetzt hat. Das Attribut "historisch" ist vielleicht etwas stark, aber in diese Richtung geht es schon. Wir sind angetreten, damit unsere Interessen nicht länger von ver.di vertreten werden und das haben wir erreicht. Punkt.

Zum zweiten beschert die Gehaltstabelle in der Tat Verbesserungen im zweistelligen Prozentbereich, und zwar nicht auf den TVÖD gerechnet sondern auf den alten BAT. Wenn wir von international vergleichbaren Gehältern reden sollten wir bedenken, daß die Gehälter in GB, AU, NZ, F und sonstwo erst mit Facharztreife einen deutlichen Unterschied zu D darstellen. Ich halte es durchaus für richtig, daß vor allem die oberen Gehaltsstufen deutlich mehr bekommen, wenn man bedenkt, daß die Gehaltsstruktur ja eben die Klinik als Langzeitperspektive und Alternative zur Niederlassung und Chefarztposition (in denen man ja nun auch nicht mehr reich wird) darstellen soll. Daß im Umkehrschluss vor allem die jungen Kollegen gestreikt haben und die "alten Säcke" profitieren, ist ärgerlich, aber das muss man als "Junger" wohl so hinnehmen und mit Fassung ertragen.

Im TV werden zudem einige arztfeindliche Schnitzer aus dem ver.di-Vertrag getilgt.

Was sie Auseinandersetzung aber vor allem gebracht hat, ist der frische Wind (besser Orkan) der durch die Kliniken gefegt ist. Die Verwaltungen und viele Chefs haben erkannt, daß die Masse der Ärzte nicht länger eine devote Dienerschaft ist, sondern den Mumm hat, für ihre Rechte einzustehen. Ich bin sicher, es wird nicht mehr lange dauern bis in Deutschland die ersten Ärzte die Bezahlung ihrer geleisteten Überstunden aus dem letzten halben Jahr einklagen und sehr genau auf die Einhaltung der Regelungen im Arbeitszeitgesetz achten. In den Kliniken wurden alte Zöpfe abgeschnitten, die große Solidarität über alle (Fach-)Grenzen hinweg ist ein Sieg, den wir Herrn Möllring zu verdanken haben und den uns keiner mehr nehmen kann.

Nochmal zum Geld: Der große West-Ost-Unterschied ist bedauerlich, dieser ist aber an der Sturheit der ostdeutschen Finanzminister hängen geblieben. Dem MB einen Vorwurf daraus zu stricken ist ignorant. An diesem zusätzlichen Volumen wäre ggf. die gesamte Einigung gescheitert. Man kann die Kollegen im Osten nur auffordern, zu versuchen
die Öffnungsklauseln zu nutzen (was nicht sehr erfolgsversprechend sein wird) oder eben die Koffer zu packen und zu gehen. Das scheint das einzige Signal zu sein, das die Politik versteht.

Apropos "Koffer packen": Den Ärzte-Exodus in diesem Land wird der Tarifvertrag nicht stoppen. Wer das jemals geglaubt hatte ist ein Träumer. Das einzige, das er erreicht hat ist, daß man die Koffer entweder langsamer packt oder statt eines Samsonite einen Rimowa kauft.

 

CONTRA
( Antwort auf http://www.aerzteblatt.de/v4/foren/beitrag.asp?id=68182 )


Alles widerlegt, Herr Kollege!

1. "...pekuniären Aufstiegsmöglichkeiten. Diese sind in dem neuen Vertrag nun gegeben. Es lohnt sich vom finanziellen Standpunkt wieder in Deutschland FACHARZT oder OBERARZT zu werden."

Es soll es sich lohnen, wieder OA zu sein?? Viele jetzige OA´s werden ich wundern, wenn sie nach der neuen Verdi/MB-Definition plötzlich nur noch als Fachärzte bezahlt werden! Auf Basis des neuen VERDI-MB-Vertrags hätte ich 1541,- Euro jährlich WENIGER Grundlohn in der Tasche als derzeit UND muss dafür noch länger arbeiten sowie das Risiko der ZUSI in Kauf nehmen.

2. "Bereitschaftsdienstvergütung von 95% ist traumhaft, wenn man bedenkt, dass man dafür nur bis zu 49% der Zeit arbeiten muss."

Ja, statt 80% bekommt man also 95% für Bereitschaftsdienst mit 25-49% (Realität: 80-100%) Arbeitsbelastung. Toll. Dafür hat man bei der Rufbereitschaft bisher für jeden Ersteinsatz pro Dienst satte 3 Stunden bezahlt bekommen - in Zukunft nur noch
eine Stunde!!!! Da wird es doch ungemein attraktiv für den AG, statt BD gleich Rufbereitschaft anzuordnen!

3. "Zum 1. Januar gibt es noch einmal eine Erhöhung von 2,9% rechnet das noch einmal drauf. Das ist ne Menge Geld."

Unsere Jahresgehälter fallen unter das Niveau vom BAT2001 zurück und können frühestens 2010 wieder steigen. Wir reden also über eine einzige wirkliche Lohnerhöhung von ganzen 2,9% in fast 10 Jahren! Dank Inflation über 10 Jahre reden wir über einen Reallohnverlust von fast 20% - DAS ist ne Menge Geld(verlust)!!

4. "Der MB wird von nun an als Gewerkschaft ernst genommen."

So dilettantisch, wie sich der MB hat übern Tisch ziehen lassen, wird er sicher NICHT ernst genommen. Was nützt ein "eigener" Tarifvertrag, mit dem sich Montgomery ein Denkmal setzen will, wenn er hinter das BAT2001-Niveau zurückfällt??!

5. "Der ZUSI ist sinnvoll und keine Gefahr. Schaut euch das Procedere an"

Tja, das empfehle ich doch auch: Der "neutrale" Gutachter, der beurteilen soll, ob ein ZUSI-Lohnabzug statthaft ist, wird künftig von der Klinik bestellt und bezahlt - wie da wohl das "neutrale" Urteil ausfallen wird?

6. "Dumm ist es, dass es so rüberkommt, als ob der MB den Ver.di Vertrag übernommen hat."

Dumm ist vielmehr, dass sich der MB noch ein paar Schlechtigkeiten mehr als verdi hat reindrücken lassen, Beispiel gefällig:
a) Die Mindestvertragslaufzeiten gelten nur noch für WB-Verträge nach HRG! Unikliniken befristen aber auch WB-Verträge gerne auch nach TzBfG - und da drückt man den Jungassistenten dann weiter Halbjahresverträge etc rein: Verdi war schlauer!
b) Die Dienstjubiläumszahlungen entfallen nun auch noch. Das hatte verdi für die Ärzte nicht im Angebot.
c) Die Regelung"3-Stunden-Mindestbezahlung" für den Ersteinsatz in Rufbereitschaft hat sich der MB auch neu aufdrücken lassen.

FAZIT: Der MB-Deal bringt uns Rückschritte beim Gehalt (im Vergleich zu BAT2001), KEINE wirklich abgesicherten Vorteile bei den Arbeitsbedingungen, die lange Vertragslaufzeit bis 2010 bei einem lächerlichen Inflationsausgleich von 2,9% für fast ein Jahrzehnt ist der Oberknüller. Niederlage auf der ganzen Linie!

 

 

PRO

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wir haben seit gestern einen arztspezifischen Tarifvertrag. Jetzt beginnen verständlicherweise die Diskussionen darüber was wir erreicht haben, aber v.a. was wir NICHT erreicht haben.

Gleich vorab: Wir in Hannover sind wie viele andere auch absolut bestürzt darüber, dass es die Ost/West Angleichung nicht geben soll und die LKHs quasi außen vor geblieben sind. Dies trübt die eigentliche Freude über das Zustandekommen des Abschlusses.

Bei den Diskussionen, ob und wie wir uns verhalten, oder ob wir den Vorschlag der TdL zustimmen oder ablehnen sollten, möchte ich ein paar Dinge zu bedenken geben:

Seit 3 Monaten führen wir diesen Arbeitskampf mit immer weiter eskalierenden Maßnahmen. Mal abgesehen davon, dass die einzelnen Unis und LKHs sich dabei zunächst unterschiedlich stark beteiligt haben, kann man jetzt durchaus behaupten, dass wir ALLE in den letzten Wochen den maximalen Druck aufgebaut haben. Dadurch kam überhaupt erst wieder Bewegung ins Spiel.

Zwischenzeitlich hat sich mit dem Verdi-Abschluß zudem die (tarif-)politische Lage völlig verändert. Plötzlich ging es bei den Forderungen nicht mehr bloß um Inhalte, sondern darum, überhaupt einen eigenen Vertrag zu bekommen.

Wir haben mit dem Ausruf des unbefristeten Streiks die letzte Eskalationsstufe erreicht wohl wissend, dass wir dies trotz öffentlicher Beteuerungen nicht sehr lange durchhalten können. Das gilt besonders für die Standorte im Süden, die schon seit längerem voll streiken.

Eine Ablehnung des Vorschlages am Freitag durch die Tarifkommission hätte aus meiner Sicht bald das AUS für ALLE bedeutet. Wir würden noch ein bis zwei Wochen Streik durchhalten, aber dann wäre es das gewesen, wahrscheinlich für immer. Darauf hat Hr. Möllring übrigens auch nur gewartet.

Eine Ablehnung jetzt im Nachhinein, sei es durch die große Tarifkommission oder in der Urabstimmung hätte wahrscheinlich noch fatalere Folgen, weil wir dann zusätzlich noch den MB bzw. die Führung schwächen oder stürzen. Wie handlungsfähig wären wir dann noch? Möllring und Bsirske würden sich ins Fäustchen lachen.

Meiner Ansicht nach sollten wir den Abschluss bzw. die Öffnungsklauseln jetzt nutzen, um z.B. in den neuen Bundesländern die Landesregierungen zu attackieren. Denn es waren eben genau DIESE Landesregierungen, die des Ost/West-Ausgleich partout NICHT wollten. Selbst eine Quersubventionierung des Westens (sprich der Westen verzichtet auf Gehalt zu Gunsten des Ostens, wie es in Berlin praktiziert wird) haben die ABGELEHNT!!!! Unfassbar!!

"Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden." sagte Hermann Hesse.
Das haben wir glaube ich getan!

Ist schon komisch, vor einem Monat haben wir ein ähnliches Angebot abgelehnt und dann alle Register gezogen. Jetzt stehen wir da, und es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als damit zu leben.

Aber wir sollten nicht vergessen, daß der Kampf um die Umsetzung des Abschlusses in den Ländern / Häusern jetzt erst beginnt.