Presseerklärung vom 21.06.06 der Ärztesprecher der Universitätsklinika in den neuen Bundesländern zu dem Tarifvertrag zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und dem Marburger Bund


Die Ärzte der Universitätsklinika weisen auf die Bedrohung der Gesundheitsversorgung in den neuen Bundesländern hin, die sich aus dem am 16.06.2006 dem Marburger Bund aufgezwungenen Tarifvertrag ergibt.

Wir erleben seit mehreren Jahren eine Abwanderung gut ausgebildeter Kollegen aus den neuen Bundesländern. Resultat dieses Prozesses sind nicht nur leer stehende Arztpraxen, sondern auch nicht mehr zu besetzende Stellen in den hoch spezialisierten Abteilungen der Universitätsklinika. Es stehen in den neuen Bundesländern nicht mehr ausreichend Ärzte zur flächendeckenden Patientenversorgung zur Verfügung, wodurch eine gesundheitspolitische Wüste entsteht.

In Kenntnis dieser gravierenden Standortnachteile haben Herr Möllring und die Verhandlungskommission der TdL die Tür für eine weitere Zuspitzung der Situation geöffnet. Das Ost-West Tarifgefälle ist insbesondere durch die Blockadehaltung ostdeutscher Finanzminister beibehalten worden. Hinzu kommt, dass in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bereits Zusatzverhandlungen zur Erhöhung der Ärztebezahlung geplant sind. Dies hat definitiv eine weitere Verschärfung des Tarifgefälles zur Folge. Der bis zum 31.12.2009 zementierte Tarifunterschied wird einen Massenexodus der Ärzte erzwingen.

Eine Lösung dieser Problematik kann durch Zusatzvereinbarungen erreicht werden. Es müssen auch in den neuen Bundesländern Möglichkeiten der Verhandlung eröffnet werden. Hierzu fordern wir die Finanzministerien und alle politisch Verantwortlichen auf.

Wir fordern auch die Bürger dieses Landes auf, die bewusst in Kauf genommenen strukturellen Nachteile einzelner Regionen der Bundesrepublik nicht länger zu akzeptieren.


Für den Ärztesprecherrat der Universität Dresden
Dr. med. Anette Ditzen, Dr. med. Sebastian Stehr

Für den Ärztesprecherrat der Universität Greifswald
Dr. med. Albrecht Brückner, Dr. med. Wolf Diemer

Für den Ärztesprecherrat der Universität Halle
Dr. med. Johannes Köster, Dr. med. Alexander Nill

Für den Ärztesprecherrat der Universität Jena
Dr. med. Thomas Neumann, Markus Arp

Für den Ärztesprecherrat der Universität Leipzig
Dr. med. Cordula Röhm, Dr. med. Marcus Heufelder

Für den Ärztesprecherrat der Universität Magdeburg
Dr. med. Ute Schmidt, Dr. med. Falk Wiedemann

Für den Ärztesprecherrat der Universität Rostock
Dr. med. Tim Rehders, Dr. med. Volker Steinhagen