Offener Brief an den ärztlichen Direktor

Sehr geehrter Professor Höffken,

am heutigen Montag beginnen mit dem symbolischen Auszug der ärztlichen Mitarbeiter aus der Klinik die viertägigen Streikaktionen. Ziel dieser Streikphase ist es, nach den vereinzelten Aktionen der letzten Wochen, unseren Forderungen nach angemessener Vergütung und verbesserten Arbeitsbedingungen zusammen mit 34 weiteren Universitätskliniken nochmals den nötigen Nachdruck zu verleihen.
Die Verhandlungen zwischen dem Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) verliefen bisher ergebnislos. Aus unserer Sicht zieht nun eine reale Bedrohung auf: Die süddeutschen Länder könnten aus dem Gemeinschaftstarifvertrag aussteigen. Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Universitätskliniken, Jörg-Rüdiger Siewert, bezeichnet die Länder-Tarifgemeinschaft als nicht mehr „funktionstüchtig“ und möchte die Verhandlungen auf die einzelnen Länder „herunterbrechen.“ Die Landesregierung Baden-Württemberg will einen eigenen Lösungsweg sondieren. Dies könnte dazu führen, dass separate Tarifabschlüsse zu beträchtlichen Gehaltsdifferenzen und unterschiedlichen Arbeitsbedingungen zwischen den Bundesländern führen, zum Nachteil der Jenaer Universitätsärzte.
Der Klinikumsvorstand hat gerade die Mitarbeiter der Klinik dazu aufgefordert, sich aktiv an der Erstellung eines Leitbildes zu beteiligen. Ein Leitbild kann aber nur so überzeugend in die Öffentlichkeit transportiert werden, wie es auch seine Mitarbeiter – darunter zum grossen Teil die Ärzteschaft - durch überzeugtes Handeln aktiv mittragen. Sollten die Tarifverhandlungen aber darauf hinauslaufen, dass separate Tarifabschlüsse zum inakzeptablen Nachteil der Jenaer Universitätsärzte führen, werden Diskussionen über Leitbilder und „leistungsfähiger Exzellenzstandort der Hochschulmedizin“ schon ad absurdum geführt werden, bevor sie überhaupt angefangen haben.
Bisher war keine substantielle Stellungnahme der Klinikführung zu den Streiks vernehmlich. Mit diesem Aufruf bitten wir Sie als Ärztlichen Direktor, zu den Streiks und dem möglichen Szenario der Einzeltarifabschlüsse der Länder Stellung zu nehmen. Denn wir streiken nicht nur für unsere Eigeninteressen, sondern letztlich auch für eine konkurrenzfähige Universitätsklinik Jena.

Mit freundlichen Grüssen,
Die Sprecher der Assistenzärzte