Zweiter "Offener Brief" an Herrn Dr. Leichsenring


Sehr geehrter Herr Dr. Leichsenring,

ich bestätige den Eingang Ihrer Antwort zu meinem „Offenen Brief“.

Sinn entnehmendes Lesen ist Ihre Stärke offenbar nicht und eine der Realität nahe oder gar adäquate Antwort damit nur schwerlich zu erwarten.

Doch der Reihe nach:

Es sollte gut geübte Praxis sein, eine Antwort in einem ebenso „offenen Brief“ zu geben.

Innerhalb des Universitätsklinikums Jena ist aus jüngeren Streik–Tagen der Brief der Assistentensprecher an Herrn Prof. Höffken und dessen Antwort beispielgebend.

Deswegen sehe ich keinen Grund, auf das Zitat Ihres Antwortschreibens zu verzichten und es damit öffentlich zu machen:

„Von: Andreas Leichsenring
An: Skirl, GUNTER
Datum: Mittwoch, 31. Mai 2006 16:28:05
Betreff: Antw: Offener Brief

Sehr geehrter Herr OA Dr. Skirl,

mit Interesse habe ich Ihren Offenen Brief gelesen.

Ich kann Ihnen gerne ein Gespräch unter vier Augen anbieten, um Ihre persönlichen Probleme zu erörtern. Dafür bin ich als Personalrat gewählt und stehe allen MitarbeiterInnen gerne zur Verfügung, und das auch in den nächsten vier Jahren.

Sie können auch gerne die Vertreter des Marburger Bundes im Personalrat, Herrn Dr. Siebert und Frau Theuer kontaktieren und mit der Lösung Ihrer Probleme am Universitätsklinikum beauftragen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Leichsenring”



Doch worum geht es wirklich?

Sie werden in der TLZ zitiert: „Personalratschef Andreas Leichsenring kann die Motivation der Streikenden mittlerweile nicht mehr verstehen.“

Das setzt voraus, dass Sie die Motivation vorher verstanden haben müssten, doch da überkommen mich Zweifel.

Die von mir (teils als Thesen imponierend) getroffenen Formulierungen sind einem sehr hohen Maße mit wesentlichen Forderungen des Marburger Bundes inhaltlich identisch, gut, sie sind durch lebenspraktische Beispiele meines Berufsalltags untersetzt (oder hätte ich besser z.B. die Sprachhülse „überbordende Bürokratie“ verwenden sollen?), sie sind aber ebenso eine gute Motivation für ein weiteres Einfordern verbesserter Arbeitsbedingungen.

Nur Sie haben es offenkundig nicht erkannt.

Sie nehmen meine Äußerungen als „persönliche Probleme“ wahr und bieten mir ein Gespräch unter vier Augen an.

Ich danke Ihnen für diese Offerte, aber ein Vier-Augen-Gespräch ist nicht das richtige Forum.

Ist die publizierten Äußerung die Meinung einer Privatperson oder eines ver.di- Mitgliedes oder eine Aussage als Personalrat – dazu klar Stellung zu nehmen und ggf. angemessene Konsequenzen zu ziehen, das hatte ich Ihnen in meinem „Offenen Brief“ empfohlen.

Diese Stellungnahme vermisse ich noch immer, viele meiner ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die mir in den letzten Tagen in breiter Front ihre Zustimmung zu meinem Brief mitgeteilt haben, sind ebenso an einer Antwort von Ihnen interessiert.

Mit freundlichen Grüßen



Dr. med. Gunter Skirl

Oberarzt der
Abteilung für Neuropädiatrie