Erster Durchbruch im Tarifstreit der
Klinikärzte
Aussetzung der für kommende Woche geplanten Streiks
angekündigt
Im seit Monate währenden Tarifkonflikt über die Entlohnung der Ärzte an
Universitäts- und Landeskliniken hat es eine erste Einigung gegeben. Das Land
Bayern einigte sich am Freitagabend mit dem Marburger Bund auf
Gehaltsaufschläge, die höher sind als sie der Tarifabschluss für die
Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder insgesamt vorsieht.
02.06.2006
Die Details der Regelung wurden zunächst aber nicht bekannt. Bayerns
Finanzminister Kurt Faltlhauser erklärte in München, Voraussetzung für die
Umsetzung des Kompromisses sei eine Einigung auf Bundesebene. Der
Verhandlungsführer des Marburger Bundes, Lutz Hammerschlag, sagte, damit sei
möglicherweise der Schlüssel auch für die Verhandlungen mit der
Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) gefunden. Er kündigte beschränkt auf Bayern
die Aussetzung der für kommende Woche geplanten Ärztestreiks an.
Nach Angaben aus Verhandlungskreisen zielt das Ergebnis der Unterhändler von
Ärzteseite und bayerischem Finanzministerium darauf, auf Bundesebene
gewissermaßen eine Rahmenvereinbarung zu treffen und diese per Öffnungsklausel
in regionalen Gesprächen mit weiteren Zuschlägen und Zusatzregelungen
aufzufüllen. Die Einigung kommt gerade rechtzeitig vor der Fußball-WM, die in
einer Woche beginnt. Der Weltfußballverband Fifa hatte sich angesichts der
Streiks der Ärzte bereits besorgt um die medizinische Versorgung in Deutschland
während der WM gezeigt.
Grundphilosophie: "Möglichst schnell machen"
Faltlhauser (CSU) sagte, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU)
als TdL-Verhandlungsführer werde am Dienstag Kontakt mit dem Marburger Bund
aufnehmen. Er habe mit Möllring bereits telefoniert. "Grundphilosophie ist, dass
wir das möglichst schnell machen", sagte Faltlhauser. Bayern hatte die eigenen
Gespräche mit dem Marburger Bund mit Rückendeckung der Finanzministerkonferenz
angeschoben, nachdem die Verhandlungen mit der TdL lange Zeit festgefahren
waren.
Der Marburger Bund zeigte sich bereit, möglichst noch kommende Woche zu einem
bundesweiten Rahmentarifvertrag zu kommen. "Das muss das Ziel sein", sagte
Hammerschlag. "Wir glauben, dass man einen Schlüssel gefunden hat, um die
zugeschlossene Tür wieder aufzukriegen."
Baden-Württemberg will folgen
Nach Darstellung Faltlhausers hat sich der Marburger Bund bereit erklärt, bei
dem Abschluss auf Bundesebene das Erhöhungsvolumen des Tarifabschlusses für den
öffentlichen Dienst etwa einzuhalten. Dieser sah Lohnerhöhungen um 2,9 Prozent
ab Januar 2008 vor, in Ostdeutschland vier Monate später. Bayern biete unter dem
Strich ein um 20 Prozent höheres Erhöhungsvolumen an, sagte Faltlhauser. "Es
geht um Zulagen für alle Ärztegruppen", sagte er. Baden-Württemberg wolle der
bayerischen Vereinbarung folgen.
In dem seit Monaten währenden Tarifkonflikt hatten tausende Ärzte ihre Arbeit
ruhen lassen. Der Marburger Bund hatte ursprünglich 30 Prozent mehr Geld für die
rund 22.000 Ärzte an Uni- und Landeskliniken gefordert, worin auch die verlangte
Vergütung für die übliche Mehrarbeit enthalten ist.
von Michael Able, REUTERS