Kommentar
Die TdL hat gestern mit Verdi einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder abgeschlossen. Die TdL glaubt, diesen Vertrag auf alle Ärzte anwenden zu können, auch auf Mitglieder des Marburger Bundes. Der Marburger Bund sieht das völlig anders. Herr Möllring sieht keine Notwendigkeit mehr, mit dem MB zu verhandeln - andererseits scheint der TdL klar zu sein, daß eine 'Zwangsüberleitung' nicht ohne juristischen Widerstand ablaufen wird. Im Gegensatz zu der nun von Politikern und Verdi vertretenen Ansicht, ist es durchaus möglich, in einem Betrieb mehrere Tarifverträge zu haben. Für den Bereich der VKA ist bereits eine Verbandsklage vor dem Arbeitsgericht Köln anhängig. Eine ähnliche Klage für den Bereich der Länder ist zu erwarten. Diese juristischen Schritte unternimmt der MB jedoch nur für seine Mitglieder. Auch der von uns geforderte neue Tarifvertrag mit der TdL würde primär nur für Mitglieder des MB gelten. In der Vergangenheit haben die Arbeitgeber Tarifverträge zwar regelhaft auf die gesamte Berufsgruppe angewendet (um die nicht organisierten Arbeitnehmer nicht auch noch in 'Arme der Gewerkschaft' zu treiben), dies könnte sich jedoch jetzt ändern. Mit Sicherheit werden die Arbeitgeber versuchen, Nicht-Mitglieder des MB in den TVOeD überzuleiten. Diese hätten dann diverse Gemeinheiten zu ertragen.

An dieser Stelle komme ich nun in die unerwartete Situation, für den Marburger Bund Werbung machen zu 'müssen'. Ich persönlich bin erst vor einigen Monaten in den MB eingetreten - der aktuelle Tarifkonflikt sollte die Bewährungsprobe sein. Der MB hat sich in der Vergangenheit nicht nur mit Ruhm bekleckert. Ich weiß, daß bei vielen Kollegen Vorbehalte bestehen, insbesondere wegen der Rolle des MB bei der Einführung des AiP. Nachdem die Gewerkschaft nun von einigen 'jungen Wilden' aus ihrem Koma wachgeküßt wurde, sollten wir die bestehende Infrastruktur nutzen - wir haben im Moment keine Alternative. Wie man hört, hatte die MB-Führung am Freitag in Berlin Schwierigkeiten, die streit- und streiklustigen Assistentensprecher zu zügeln. Vielleicht ist bald Zeit für einen Generationenwechsel. In der aktuellen Situation scheint eine Mitgliedschaft im MB konkrete Vorteile zu bringen; der Mitgliedsbeitrag ist im Gewerkschaftsvergleich niedrig (es ist allerdings möglich, daß die Beiträge in Zukunft zum Aufbau einer Streikkasse steigen werden). Also, Kollege, gehe in Dich und erwäge eine Mitgliedschaft.

Wir werden dem Land Thüringen und der Klinikumsleitung in geeigneter Form klarmachen müssen, daß die MB-Mitglieder am Klinikum einen Tarifvertrag, der ohne Beteiligung ihrer Gewerkschaft entstanden ist, erst dann akzeptieren werden, wenn sie letztinstanzlich dazu verurteilt wurden.

Gruß
Hans Kuhn

 

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